Seminar Gruppenanalyse in der Kollektiven Selbstverständigung

Dies ist eine Ankündigung für ein Seminar am 20.-22. April 2018: Gruppenanalyse in der Kollektiven Selbstverständigung.

Kollektiven Selbstverständigung (KSV) ist keine Methode, sondern ein Konzept innerhalb der Kritischen Psychologie. Im Netzwerk für Kollektive Selbstverständigung wurden bereits unterschiedliche Methoden ausprobiert.

Warum Gruppenanalyse?

In diesem Seminar soll Methodisches von der Gruppenanalyse nach Foulkes ausprobiert bzw. reflektiert werden. In der Psychologie gibt es verschiedene Ansätze der Gruppentherapie, die, die sich von Pathologien abheben, werden auch Gruppenselbsterfahrung genannt. Wo je ich mein Selbst in/durch/mit der Gruppe erfahren kann (unabhängig von meinem Zustand). Gruppenanalyse ist ein spezieller Ansatz von Gruppenselbsterfahrung. Einer, welcher besonders viel Raum lässt und nichts vorgibt, außer den Rahmen. Das heißt u.a. gemeinsam im Kreis sitzend, sich zu zuhören, zu sprechen sowie sich anhand des Eingebrachten zu befragen. (dazu gleich mehr).

Wie es dazu kam?

Ich organisiere dieses Seminar, weil ich innerhalb meines Studiums eine positive Erfahrung mit einer 4-tägigen Gruppenselbsterfahrung gemacht habe. Diese Tage waren so eindrücklich, weil zum einen die Geschichten von anderen eigene Geschichten wach riefen und zum anderen, weil die Thematisierung von gruppen-internen Dynamiken ganz viel aufwarf, was mit dem je eigenen Geworden-Sein zu tun hatte. Mit dieser Gruppenselbsterfahrung wurde mir Einiges über mich greifbarer, weil es plötzlich zu meiner Erfahrung im Gruppenprozess wurde. Dennoch fehlte ihr die gesellschaftstheoretische Ebene. Das kann die KSV mit den Begriffen der Kritischen Psychologie.

Und andersherum blieb bei den bisherigen Methoden für KSV (mit welchen ich Erfahrungen machte) verglichen mit der Gruppenselbsterfahrung, weniger Raum für Tiefe, Emotionalität, Betroffenheit, Verbundenheit mit den anderen… Vielleicht lässt sich an dieser Stelle voneinander lernen. Das Seminar stellt den Versuch dafür dar.

Zu klärende Frage:

Wir wollen klären, ob die Methode der Gruppenanalyse für die Kollektive Selbstverständigung von Nutzen sein kann. Und wenn ja, inwiefern wollen wir sie in KSV-Zusammenhängen nutzen? (und vielleicht: Kann Gruppenanalyse mit Begriffen der Kritischen Psychologie reinterpretiert werden?)

Zum Seminarkonzept:

Um diese Frage zu klären habe ich zwei Personen des Berliner Instituts für Gruppenanalyse e.V. eingeladen, um mit uns – also Menschen, die sich mit Kritischer Psychologie oder darüber hinaus mit KSV auseinandersetzen – eine gruppenanalytisches Seminar zu machen.

Die zwei Personen sind Katrin Stumptner (Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeutin, Musiktherapeutin, Gruppenanalytikerin, Berliner Institut für Gruppenanalyse e.V.) und Stephan Alder (Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Gruppenanalytiker, Berliner Institut für Gruppenanalyse e.V.). Sie beide haben schon des Öfteren (einführende) Seminare der Gruppenanalyse abgehalten. Sie fungieren dabei jeweils als GruppenleiterIn in einer von 2 Kleingruppen sowie zusammen in der Großgruppe. Dieser Aufbau gehört zum Setting der Methode. Sie schreiben:

„Wir möchten Ihnen einen Einblick in die Theorie und Praxis der Gruppenanalyse geben. Gruppenanalyse fördert die Kommunikation und den reflektierenden Umgang mit Gruppen, mit einzelnen Menschen, aber auch mit Organisationen und Kulturen.

Gruppenanalyse findet ihre Anwendung in der stationären und ambulanten Gruppenpsychotherapie, in der Supervision, Organisationsberatung und als Kulturtheorie.

Nach den ersten Schritten von T. Burrow (1875-1950) wurde die Gruppenanalyse in den 1940iger Jahren von S.H. Foulkes (1898-1976) in England entwickelt. Foulkes emigrierte 1933 von Frankfurt a.M. nach London. In Frankfurt war er mit der Frankfurter Schule eng verbunden.

In London traf er auf den Soziologen Norbert Elias, der ebenfalls von Frankfurt a.M. nach London emigriert war und mit seiner Publikation: “Der Prozess der Zivilisation” einen starken Einfluss auf die Gruppenanalyse hatte. Aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen aus der Hirnforschung, der Bindungstheorie, der Psychotherapieforschung und den Sozialwissenschaften befördern die Weiterentwicklung.

In unserem dreitägigen Einführungsseminar wollen wir mit Hilfe vorgestellter theoretischer Konzepte und Anteilen von reflektierender Selbsterfahrung in Klein- und mittlerer Großgruppe Gruppenprozesse für die Teilnehmenden transparenter und verständlicher machen.

Wir werden Konzepte wie das Unbewusste, Übertragung, Gegenübertragung, Matrix, Resonanz, Widerstand (Grundannahmen) und Spiegelphänomene miteinander in einem Gruppenprozess erarbeiten. Ebenso soll verdeutlicht werden, wie Gruppen wirken (Wirkfaktoren, Yalom).

Eigene innere Bilder von Gesellschaft, Großgruppe, Kleingruppe und Individuum verbunden mit dem inneren Gegenüber sind dabei bedeutsam. Transgenerationelle und transkulturelle Perspektiven erweitern die Reflexion.

Sie als Interessierte haben sich mit der Kritischen Psychologie beschäftigt. Dabei spielt das Konzept der kollektiven Selbstverständigung eine wichtige Rolle. Wir werden Raum finden, um über mögliche Anwendungen und theoretische Verbindungen zwischen Gruppenanalyse und Kritischer Psychologie beginnend nachzudenken.

Wir als gruppenanalytische Praktiker freuen uns auf diese neue Möglichkeit mit Ihnen einen erfahrungsbezogenen Diskurs zu eröffnen.“

Dieser erfahrungsbezogene Diskurs kann folgendermaßen funktionieren: zum einen diskutieren wir kontinuierlich die Methode und unsere Erfahrungen damit – also eine tägliche Phase der Methodenreflektion während des Seminars. Dabei können wir andererseits auch an die Fragen an KSV (ggf. auch erste Antworten) von Julia Helena Schlecht anknüpfen, die sie für das Dezemberwochenende zur Methodenreflektion formulierte. Ebenso gibt es Texte für eine theoretische Auseinandersetzung (welche im Vorhinein verschickt werden können). Wenn es sonst noch Ideen gibt, bitte melden.

Nun zu den Daten:
Seminar-Ort: Potsdam: entweder im freiLand (dies befindet sich direkt beim Potsdam Hbf), oder im Projekthaus Potsdam InWoLe.

Schlafort: in beiden Orten gibt es Schlafzimmer mit 2-8 Betten für insgesamt 25 Menschen für circa 8-10€ die Nacht.

Voraussetzung: Weil das Seminar dazu dienen soll die Methode der Gruppenanalyse/-selbsterfahrun

Preis: Pro Person wird sich der Geldbetrag um die 150 – max. 200€ bewegen – inklusive Übernachtung und Essen und Co. Dies soll als Richtwert gelten und nicht als Voraussetzung – über solidarische Unterstützungen können wir gerne reden, um eine Teilnahme nicht an die Höhe des Preises zu koppeln.

Die Kosten setzten sich zusammen aus:
circa 100€ pro Teilnehmende für die beiden GruppenleiterInnen am Wochenende.
ca. 20€ für 2 Seminarräume und die Küche ein Wochenende
ca. 20€ für Lebensmittel – wenn wir 3 Mahlzeiten selbstgemacht zu uns nehmen
…€ für die jeweiligen Anfahrtskosten geteilt durch die Teilnehmendenzahl
16-20€ für 2 Übernachtung

Datum: 20. bis 22. April 2018
Anmeldung: bis Ende Januar an tilmanalder@gmail.com

Teilnehmer*Innenzahl: Mindestens 15, max. 25 Teilnehmende

Mit lieben und einladenden Grüßen

Tilman Wendelin Alder

PS: Wenn Personen noch Lust haben mit zu organisieren, wäre das super. Gebraucht werden noch Ideen und Unterstützung zur Orga der Anmeldung, des Rahmens, der Verköstigung, der Ergebnis-Ausarbeitung usw. Bitte bei mir melden: tilmanalder@gmail.com